Vom Fukushima-Effekt und dem neuen Beleg für die Chaostheorie

Nun habe ich es doch getan und dem Sebastian in Ulm sogar den zweiten zählbaren Klick verschafft. Jetzt hat er mehr als 420 Tausend, und es ist ein schwacher Trost, dass Bodo Wartke mit dem wunderbaren Lied “Was wenn doch“, in dem das Wort Grundeinkommen nicht vorkommt aber die Hauptrolle spielt, 609 Tausend Klicks hat. Es stimmt mich nachdenklich, dass er dafür fünf Jahre gebraucht hat, der Student in Ulm schaffte seinen Wert in wenigen Wochen. Immerhin hat Wartke mit “Christian Drosten” bewiesen, dass Youtube auch viele richtig gute Seiten hat, und damit in zwei Monaten 330 Tausend Klicks verbucht.

Natürlich hast Du recht, ich lebe in meiner Blase. Ich denke aber, dass meine Blasenschwäche nicht darin besteht, dass das Gebilde voll ist und kein Platz mehr wäre für neuen Input. Wie alle anderen Blasenbewohner suche ich mir mehr oder weniger bewusst aus, was noch rein darf. Entweder ist die Hülle noch dehnbar oder etwas muss raus um Platz für Neues zu schaffen. Sebastian und seine Spießgesellen müssen draußen bleiben, jetzt erst recht.

Trotzdem bin ich ganz einverstanden damit, das einstündige Video komplett gesehen zu haben, jetzt weiß ich besser einzuschätzen, wie so manche Blase vollläuft. Das Hinsehen ist mir schwer gefallen, weil  so viele Daten auf mich einprasselten, die Schnittfolge passt auch nicht mehr zu meinen altersgemäßen Sehgewohnheiten, und besonders schwierig war zu ertragen, dass Zahlen, die ich gut kannte, so ganz anders gedeutet oder gar verfälscht werden, z.B. die “Übersterblichkeit” und die Letalität.

Immerhin ist die Letalität korrekt zitiert, aber wenn ich 0,38 Prozent von (geschätzt) vielleicht zehn Millionen Infizierten ausrechne und denke, das ist viel zu viel und alles, was diese Zahl kleiner hält ist den Aufwand wert, drücken Leute wie Sebastian ihre Geringschätzung für diese Haltung aus. Der Psychologe in Wien ist in diesem Zusammenhang echt sehenswert, schade dass sein Sprechtempo so künstlich gestrafft wirkt.

Wer immer dieses Video bewerten will, braucht eigentlich nur die ersten 90 Sekunden zu sehen (bis Sebastian die Übersterblichkeit beginnt zu leugnen) und die letzten Minuten, in denen der Wiener Psycho-Doktor unter anderem erklärt, wie schlimm es ist, wenn die alten Leute einsam im abgeschotteten Heim sterben. Schon seit einiger Zeit antworte ich Thea Dorn und allen, die politisch beklagen, dass Heimbewohner einsam sind, dass es eine persönliche Antwort darauf gibt: Holt eure Omas  doch einfach nach Hause, daran wird euch niemand hindern!

Unterm Strich bleibt für mich wichtig, dass eine Machthabende Kaste, die mittlerweile mindestens vier Jahrzehnte lang die Politik der Wirtschaft angepasst hat, in diesem wichtigen Augenblick das Leben von einfachen Menschen schützen will und dafür extreme Profitverluste von besonders reichen Menschen in Kauf nimmt. Das nenne ich einen Fukushima-Moment, also einen Augenblick in der Geschichte, in dem bedrohliche Erkenntnisse zum Umdenken führen.

Apropos Augenblick: Du kennst wohl auch den Spruch, der die Chaos-Theorie zu erklären versucht. Ein Schmetterling in Thailand schiebt einen Regentropfen vom grünen Blatt und löst damit den Wirbelsturm in Amerika aus. Das können wir nun toppen. Ein Virus in Wuhan springt vom Schuppentier auf einen Menschen und löst damit eine weltweite soziale Kettenreaktion aus.

In diesem Sinne lernen wir dazu, auch wenn es weh tut, aber lass uns alles tun, was den Schaden begrenzen hilft. Schaden leugnen hilft – wem?