Schlechtes Zeugnis für Europas Natur

Die im Sechs-Jahres-Turnus von der Europäischen Umweltagentur EEA und der Kommission vorgelegten “Berichte zur Lage der Natur” stellen den EU-Staaten ein schlechtes Zeugnis aus. … Richtig düster wird die Analyse beim Blick auf die unterschiedlichen Lebensräume. Nur 15 Prozent der Habitate von den Alpen bis zu den Küstendünen befinden sich in einem guten Zustand, können ihre ökologischen Funktionen also voll erfüllen. Mehr als 80 Prozent sind in ihrer Funktionsfähigkeit als natürlicher Lebensraum für Tiere und Pflanzen stark geschädigt. Selbst in den Schutzgebieten, die immerhin ein Fünftel der Fläche der EU ausmachen, konnte der Verlust von Arten- und Landschaftsvielfalt nicht gestoppt werden. … Der mit Abstand stärkste Druck auf die Natur geht den Berichten zufolge von der Landwirtschaft aus. Die immer intensivere Nutzung der Böden, das Entfernen von Hecken und “wilden Ecken” und der Einsatz von Pestiziden werden als stärkste Bedrohung für die Artenvielfalt angesehen. Mit deutlichem Abstand folgen Faktoren wie der Landverbrauch für neue Gebäude und Infrastruktur, Belastungen durch Freizeitaktivitäten und Tourismus und eine unökologisch betriebene Forstwirtschaft als Hauptbedrohungen der lebendigen Vielfalt in der EU. Die Folgen des Klimawandels spielen dagegen bislang unter den Top Ten der Bedrohungsfaktoren die geringste Rolle. Dies werde sich aber bald ändern, vermuten die Experten.

Süddeutsche Zeitung, 19. Oktober 2020, von Thomas Krumenacker