Kultur + Moral = Gesellschaft

Wer Steuern hinterzieht, gehört geächtet

VERDAMMT NOCH MAL ! Wutausbruch von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer. Sie gehören zum investigativen Team der Süddeutschen Zeitung und wühlen seit fast zehn Jahren in riesigen Datenmengen, um zahllose Steuervergehen und -verbrechen aufzudecken. Die Experten schätzen, dass “zwischen 5,6 und 32 Billionen Dollar – was dem Bruttoinlandsprodukt der USA entspräche – in Steueroasen versteckt werden.” Am Ende des Textes kommen die beiden Autoren zu diesen Vorschlägen: “Ganz grundsätzlich: Lasst uns über all das mehr reden. Mit den Nachbarn, in den Klatschspalten, im Fitnessstudio. Überall. Firmen, die Steuern hinterziehen, sollten von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Das geht schnell und wirkt. Steuerhinterzieher sollten aus Aufsichtsräten und Stiftungsvorständen gejagt werden, mit ein paar öffentlichen Protesten kann so etwas klappen, und auch das wird Eindruck hinterlassen. Und wo wir schon dabei sind: Weg mit dem Steuergeheimnis!

Auf den Spuren der Gier: Pandora Papers , Süddeutsche Zeitung , 3.Oktober 2021; Zitat: Seit Jahren beteuern Politiker weltweit, Steueroasen bekämpfen zu wollen. Jetzt enthüllen die Pandora Papers heimliche Offshore-Geschäfte von mehr als 330 Politikern und Amtsträgern aus fast 100 Ländern – darunter 35 derzeitige und ehemalige Staats- und Regierungschefs. Dazu gibt es diesen Hintergrundtext zum Rechercheprojekt: Woher kommen die Daten? Was ist an Steueroasen so schlimm? Und was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Findet Demo überschreibt die Süddeutsche Zeitung am 11. August 2021 einen Beitrag der Honkong-amerikanischen Journalistin Melissa Chan. Sie hat ihn verfasst für die Reihe “55 Voices for Democracy.” Die Redaktion der Sz beschreibt diesen Hintergrund: Im Herbst 1940 bat der britische Radiosender BBC den deutschen Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, in seinem kalifornischen Exil kurze Radiovorträge zu verfassen, die nach Nazi-Deutschland gesendet wurden. 55 Ansprachen verfasste Mann bis Kriegsende. Der Trägerverein der Begegnungsstätte Thomas Mann House in Los Angeles hat die Idee der Radioansprachen wieder aufgenommen und veranstaltet die Reihe “55 Voices” mit Ansprachen für die Demokratie, die die SZ abdruckt und der Deutschlandfunk sendet.

Zitat: “In einem demokratischen System geht es auch um ganz banale Dinge. Um eine geschäftliche Auseinandersetzung, in der man eine Person oder ein Unternehmen verklagen kann, im Wissen, vor Gericht unvoreingenommen gehört zu werden. Um Eltern, die mitbestimmen möchten, was das staatliche Bildungssystem ihren Kindern beibringt. Und um die Einsicht, dass guten Menschen überall Schlechtes widerfährt, aber dass man in einer offenen Gesellschaft die Mittel hat, sich zu wehren, wenn es sein muss.” Am Ende geht Chan auf die weltweiten Protestbewegungen in und gegen Autokratien ein, die von jungen Leuten getragen werden – und die es (noch) nicht geschafft haben, auf diesem Weg Autokraten zu stürzen. Dazu meint die Autorin: “Dann denke ich an den weiten Bogen der Menschheitsgeschichte, unsere Historie, die meist aus Monarchien, Imperien und Despoten bestand. Demokratie ist hier nur ein winziger Ausschnitt, und wenn er fortbestehen soll, bleibt keine Zeit für Bequemlichkeit. Jede Generation muss für sie kämpfen.”