Kultur + Moral = Gesellschaft

Wer Steuern hinterzieht, gehört geächtet

VERDAMMT NOCH MAL ! Wutausbruch von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer. Sie gehören zum investigativen Team der Süddeutschen Zeitung und wühlen seit fast zehn Jahren in riesigen Datenmengen, um zahllose Steuervergehen und -verbrechen aufzudecken. Die Experten schätzen, dass “zwischen 5,6 und 32 Billionen Dollar – was dem Bruttoinlandsprodukt der USA entspräche – in Steueroasen versteckt werden.” Am Ende des Textes kommen die beiden Autoren zu diesen Vorschlägen: “Ganz grundsätzlich: Lasst uns über all das mehr reden. Mit den Nachbarn, in den Klatschspalten, im Fitnessstudio. Überall. Firmen, die Steuern hinterziehen, sollten von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Das geht schnell und wirkt. Steuerhinterzieher sollten aus Aufsichtsräten und Stiftungsvorständen gejagt werden, mit ein paar öffentlichen Protesten kann so etwas klappen, und auch das wird Eindruck hinterlassen. Und wo wir schon dabei sind: Weg mit dem Steuergeheimnis!

Auf den Spuren der Gier: Pandora Papers , Süddeutsche Zeitung , 3.Oktober 2021; Zitat: Seit Jahren beteuern Politiker weltweit, Steueroasen bekämpfen zu wollen. Jetzt enthüllen die Pandora Papers heimliche Offshore-Geschäfte von mehr als 330 Politikern und Amtsträgern aus fast 100 Ländern – darunter 35 derzeitige und ehemalige Staats- und Regierungschefs. Dazu gibt es diesen Hintergrundtext zum Rechercheprojekt: Woher kommen die Daten? Was ist an Steueroasen so schlimm? Und was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Im ersten Schritt das Armutsproblem greifbar machen

Esther Duflo hilft den Ärmsten der Welt, indem sie zusammen mit ihnen experimentiert. Ein Gespräch mit der Nobelpreisträgerin in der ZEIT, Interview: Georg Blume und Uwe Jean Heuser 6. November 2019. Zitat:

DIE ZEIT: Frau Duflo, was macht Ihre Arbeit für die Ärmsten so besonders?

Esther Duflo, französisch-amerikanische Ökonomin, Foto de.wikipedia,org, 2009.

Esther Duflo: Ich versuche das oft unüberschaubar große Problem der Armut in kleinere, besser identifizierbare Probleme aufzuteilen, für die sich Lösungen finden lassen. Ich frage zum Beispiel nicht: Warum sind Leute arm? Warum lernen ihre Kinder nicht genug in der Schule? Ich frage: Wenn wir die Klassengröße verkleinern oder die Lehrerkapazität ausbauen, lernen die Kinder dann mehr? Der erste Schritt ist also, ein Armutsproblem greifbar zu machen. Erst dann führen wir Experimente durch, die auf diese Fragen Antworten geben.

…”ZEIT: Armutsbekämpfung ist jahrtausendealt. Die christliche Kirche pflegt sie seit Jahrhunderten. Verstehen Ökonomen wie Sie das heute besser als alle vor Ihnen?

Duflo: Die Schönheit unserer Botschaft liegt darin, dass wir von der Notwendigkeit Abstand nehmen, Expertise zu liefern. Für uns ist die Einsicht sehr wichtig, dass wir als Ökonomen ständig Fehler machen. Aber nicht nur Ökonomen liegen falsch. Die Kirche lag lange Zeit falsch. Selbst die Leute vor Ort liegen oft falsch. Das ist aber alles okay. Fortschritt ist nur möglich, wenn wir aus Fehlern lernen. In diesem Sinne vermittelt unsere Arbeit nicht unbedingt neues Wissen, sondern liefert neue Werkzeuge, mit denen sich die Produktion von Wissen verändert.