Kultur + Moral = Gesellschaft

Wer Steuern hinterzieht, gehört geächtet

VERDAMMT NOCH MAL ! Wutausbruch von Frederik Obermaier und Bastian Obermayer. Sie gehören zum investigativen Team der Süddeutschen Zeitung und wühlen seit fast zehn Jahren in riesigen Datenmengen, um zahllose Steuervergehen und -verbrechen aufzudecken. Die Experten schätzen, dass “zwischen 5,6 und 32 Billionen Dollar – was dem Bruttoinlandsprodukt der USA entspräche – in Steueroasen versteckt werden.” Am Ende des Textes kommen die beiden Autoren zu diesen Vorschlägen: “Ganz grundsätzlich: Lasst uns über all das mehr reden. Mit den Nachbarn, in den Klatschspalten, im Fitnessstudio. Überall. Firmen, die Steuern hinterziehen, sollten von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen werden. Das geht schnell und wirkt. Steuerhinterzieher sollten aus Aufsichtsräten und Stiftungsvorständen gejagt werden, mit ein paar öffentlichen Protesten kann so etwas klappen, und auch das wird Eindruck hinterlassen. Und wo wir schon dabei sind: Weg mit dem Steuergeheimnis!

Auf den Spuren der Gier: Pandora Papers , Süddeutsche Zeitung , 3.Oktober 2021; Zitat: Seit Jahren beteuern Politiker weltweit, Steueroasen bekämpfen zu wollen. Jetzt enthüllen die Pandora Papers heimliche Offshore-Geschäfte von mehr als 330 Politikern und Amtsträgern aus fast 100 Ländern – darunter 35 derzeitige und ehemalige Staats- und Regierungschefs. Dazu gibt es diesen Hintergrundtext zum Rechercheprojekt: Woher kommen die Daten? Was ist an Steueroasen so schlimm? Und was hat das alles mit Deutschland zu tun?

Wie entwickeln Führungskräfte einen moralischen Kompass?

Ngaire Woods 57, stammt aus Neuseeland und ist Gründerin und Direktorin der Blavatnik School of Government in Oxford, im Gespräch mit Alexandra Borchardt, Süddeutsche Zeitung Magazin, 28. Mai 2020, Thema: »Die Menschen haben gute Gründe, warum sie das Vertrauen in ihre Regierungen verloren haben«, Zitat:

Vertrauen zurückgewinnen, das wollen viele Institutionen. Wie geht das?
Was mich schon immer sehr bewegt hat und auch in den Aufbau unserer Programme eingeflossen ist: Wie wenig Mühe bei der Ausbildung von Führungspersonal darauf verwendet wird, ihnen dabei zu helfen, einen moralischen Kompass zu entwickeln…

Und wie bildet man ihn?
Zu meinen eigenen Do’s und Don’ts für schwierige moralische Entscheidungen gehört erstens: Andere einbeziehen, aber sehr genau darüber nachdenken, von wem man sich beraten lässt. Verstehen die das Thema wirklich, was haben sie für Werte, und bringen sie eine Perspektive ein, die man selbst noch nicht berücksichtigt hat? Zweitens: Kontakt aufnehmen zu denjenigen, die von der Entscheidung betroffen sein werden, und persönlich mit jemandem aus dieser Gruppe sprechen. Drittens: Die Kommunikation vorbereiten, und zwar nicht nur, wie man die Entscheidung so einfach wie möglich erklärt, sondern auch, warum man sie so getroffen hat.

Klingt simpel, ist es aber offenbar nicht.
Wir versuchen, den Studierenden hier drei Dinge beizubringen: Integrität, Unvoreingenommenheit und Kompetenz.

Warum wird so viel gebrüllt? Viele sagen ja, daran seien die sozialen Medien schuld.
Das Brüllen gab es schon immer, da muss ich nur an meine Studententage zurückdenken. Menschen sind frustriert, fühlen sich ohnmächtig. Was die sozialen Netzwerke verstärkt haben, ist die Verantwortungslosigkeit. Das Recht auf freie Meinungsäußerung war immer damit verbunden, dass man für seine Meinungen auch Verantwortung übernimmt. Das ist entkoppelt worden. Auch weil man sich auch anonym äußern kann. Das verleitet dazu, Hass und Wut ungefiltert rauszulassen…. Tatsächlich hat jede neue Kommunikationstechnologie spaltende Effekte gehabt. Als die Druckerpressen erfunden wurden, gab es Aufstände. Flugblätter, Pamphlete haben Menschen radikalisiert. Auch die Erfindungen von Radio und Fernsehen haben Gesellschaften verändert. Die Antwort war Regulierung. Gesellschaften waren immer vielfältig, nicht nur im positiven Sinne. Man muss ihnen Mechanismen an die Hand geben, mit denen sie überleben können. Solche, die dem Hass, der Angstmacherei und der Wut Grenzen setzen und den Menschen ermöglichen, all das hinter sich zu lassen.