Ungleichheit schafft Platz für rechte Entwicklungen

Der Kern der » Flüchtlingskrise « liegt in der sozialen Ungleichheit Deutschlands. Sie schafft Konkurrenz zwischen Migranten und Deutschen, führt zum moralischen Verfall der Gesellschaft und schafft Platz für rechte Entwicklungen – meint Tom Strohschneider, Chefredakteur Neues Deutschland. Sein Beitrag in “Katapult, dem Magazin für Kartografik und Sozialwissenschaften” wird von der Redaktion mit dieser Grafik illustriert:

Der rechte Balken sprengt schon längst den Rahmen

Strohschneider argumentiert weiter:

Sigmar Gabriel hat im Frühjahr die Frage an Angela Merkel gerichtet, “ ob sie der sozialen Spaltung der Gesellschaft tatenlos zusehen will .” Das ist ein starker Satz, allerdings nicht deshalb, weil der SPD-Vorsitzende damit einen wirklichen Beitrag für eine politische Kurswende Richtung mehr Gerechtigkeit geleistet hätte. Warum nicht?

Erstens, weil dem Vorstoß Gabriels eine so offene Verweigerung anhaftet, sich mit dem eigenen Beitrag zu ebenjener Spaltung auseinanderzusetzen, die er zum Gegenstand einer parteipolitisch motivierten Klage macht – ausgesprochen hat der SPD-Mann seine Kritik an der CDU-Kanzlerin kurz vor den drei Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Und zweitens reproduziert Gabriel mit seiner Forderung nach einem “ Solidaritätsprojekt für unsere eigene Bevölkerung ” in der sogenannten Flüchtlingskrise, die in Wahrheit eine Krise des politischen Umgangs mit Menschen in Not ist, selbst eine Kluft: Die sozialpolitische Eingebung des SPD-Vorsitzenden bleibt im Kern dem Gegeneinander-Ausspielen von Einheimischen und Asylsuchenden und Migranten verhaftet. …

Am Ende heißt es: Wer sich aber auf die Logik einlässt, das Geld könne eigentlich nur denen hierzulande weggenommen werden, die es schon in der Vergangenheit nicht gerade üppig hatten, will lediglich der unbequemen Frage aus dem Weg gehen, wie man es zugunsten einer universell verstandenen Gerechtigkeitsidee umverteilen kann.

Katapult, Umverteilung – Mehr Picketty, weniger Gabriel