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In den Bimaristan wurden alle behandelt, bis sie genesen sind

Corona hebt weltweit das Leben aus den Fugen. Im Mittelalter lebten die Menschen hingegen ständig mit Seuchen. Die besten und berühmtesten Mediziner wirkten in der islamischen Welt. Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2020, von Dunja Ramadan; Zitat:

Tatsächlich fanden Patienten in den frühislamischen Bimaristan eine kostenlose medizinische Behandlung, saubere Räumlichkeiten und kostenlose – und offenbar auch schmackhafte – Verpflegung vor. Der Name Bimaristan stammt aus dem Persischen und lässt sich mit “Haus der Kranken” übersetzen. Unter dem aus den Geschichten aus Tausendundeiner Nacht berühmten Abbasidenkalif Harun ar-Raschid (763 – 809) soll es in Bagdad bereits einige Hundert Krankenhäuser gegeben haben. Heute gelten sie als Vorläufer der modernen Krankenhäuser, denn Bimaristan wiesen hohe ethische Standards aus. Sie wurden säkular geführt, Ärzte behandelten Menschen aller Hautfarben und Religionszugehörigkeiten. Es war ihnen gesetzlich verboten, mittellose oder reisende Patienten abzuweisen. Neben muslimischen Ärzten arbeiteten dort auch jüdische und christliche Mediziner.

In der Grundsatzerklärung des Qalawun-Krankenhauses, das im 13. Jahrhundert vom Mamelukensultan Saif ad-Din Qalawun al-Alfi al-Mansur in Kairo erbaut wurde, steht, dass das Krankenhaus alle Patienten, Männer und Frauen behalte, bis sie vollständig genesen sind. “Alle Kosten sind vom Krankenhaus zu tragen, unabhängig davon, ob die Menschen aus der Ferne oder aus der Nähe kommen, ob sie Einwohner oder Ausländer sind, stark oder schwach, von hohem oder niedrigem Status, reich oder arm, erwerbstätig oder arbeitslos, blind oder sehbehindert, körperlich oder geistig krank, gebildet oder Analphabet. Es gibt keine Bedingungen für Gegenleistung und Zahlung; keiner wird beanstandet oder sogar indirekt auf Nichtzahlung hingewiesen. Der gesamte Gottesdienst erfolgt durch die Großzügigkeit Gottes, des Großzügigen.” Das Qalawun-Krankenhaus, das noch 400 Jahre weiter bis ins 19. Jahrhundert bestand, ist bis heute in der islamischen Altstadt von Kairo zu finden. Seit 1979 gehört die Al-Muizz-Straße zum Unesco-Weltkulturerbe.