Wie teuer sind unsere Lebensmittel wirklich?

Was die Waren wert sind, ist nicht der wahre Wert

Zitate aus “Was wir der Natur schulden“:

Im Jahr 2001 gab der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan das “Millennium Ecosystem Assessment” in Auftrag, eine groß angelegte Studie, die Politikerinnen und Politikern zum ersten Mal einen systematischen Überblick über den Zustand der 24 wichtigsten Ökosystemdienstleistungen vermitteln sollte. Vier Jahre später stand fest: Rund 60 Prozent, also 15 der 24 untersuchten Ökosystemdienstleistungen werden nicht nachhaltig genutzt oder gehen bereits zurück, darunter etwa die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser, Fischen und Meeresfrüchten, saubere Luft und die natürliche Schädlingskontrolle.

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Wie bestimmt man den Wert von etwas, das eigentlich unbezahlbar ist? Schließlich ist der Mensch in allen Lebensbereichen von der Natur abhängig – um Nahrung zu produzieren, Gegenstände herzustellen, um zu heilen, künstlerisch tätig zu sein und sich zu erholen. Hinzu kommen die Energie- und Wasserversorgung, die Klimaregulation, der Abbau organischer Stoffe und Schutz vor Naturkatastrophen. Wie soll man da in einer Zahl ausdrücken, wie wertvoll eine Pflanze, ein Tier, eine Ökosystemdienstleistung ist?

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“Ich habe Menschen getroffen, die finden es zutiefst beleidigend, der Natur ein Preisschild aufzudrücken”, sagt die Umweltwissenschaftlerin Gretchen Daily, und sie verstehe das. Schließlich seien Ökosysteme auch unabhängig von ihrem Nutzen für die Menschheit wertvoll. Hinzu kommt, dass Ökonomen viele Aspekte der Natur strenggenommen gar nicht in Geldbeträgen ausdrücken können – etwa den ästhetischen Wert einer intakten Landschaft oder ihren moralischen Wert als Lebensraum für Pflanzen und andere Tierarten. Im Grunde ist jeder Geldwert eine ungenaue Schätzung und am Ende doch nur wieder viel zu klein. Manche Kritiker argumentieren sogar, dass Ökosystemdienstleistungen eigentlich unendlich wertvoll sind.

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Costa Rica war das erste Land der Welt, das 1996 ein nationales Bezahlsystem für eine Reihe von Ökosystemdienstleistungen verabschiedete, etwa für den Schutz von Wäldern als Kohlenstoffspeicher und für sauberes Trinkwasser.

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Die Dienstleistungen der Natur an den Menschen sind zu komplex und vielfältig, als dass sich ihr Wert in einer einzigen Zahl ausdrücken ließe. Deshalb empfiehlt auch das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, Geldwerte für Ökosystemdienstleistungen lediglich als Minimalpreis anzusehen. Schließlich seien die Berechnungen immer “nur Schnappschüsse weniger ausgewählter Kosten und Nutzen”, schreiben Johannes Förster und sein Team in einer entsprechenden Studie des Instituts von 2019.