Schuldenstopp zur Bekämpfung der Pandemie in Entwicklungsländern vorgeschlagen

UN-Generalsekretär hält “universelles Grundeinkommen” für möglich

Netzzitat EPD, dpa, ZDF ; 23.7.2020

Zitat aus Beitrag des ZDF, 23.07.2020 09:29 Uhr ; Quelle: EPD, dpa

Die UN-Entwicklungsagentur UNDP wirbt angesichts der Corona-Krise für ein zeitlich begrenztes Grundeinkommen für 2,7 Milliarden Menschen weltweit. Mit dem Grundeinkommen könnten Personen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, während der Pandemie Zuhause bleiben; dies könne die Ausbreitung des Coronavirus bremsen, teilte UNDP am Donnerstag mit.

Was die Idee konkret bedeuten würde:

  • Anzahl: Grundeinkommen für 2,7 Milliarden Menschen
  • Herkunft: 132 Entwicklungsstaaten
  • Kosten: mindestens 199 Milliarden Dollar

Das Grundeinkommen soll Menschen erreichen, die ihren Unterhalt oft in der informellen Wirtschaft verdienen und es sich trotz der Gesundheitsrisiken der Corona-Pandemie nicht leisten können, zu Hause zu bleiben. Weltweit haben sich mehr als 15 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert.

Die Idee schien noch vor wenigen Monaten unmöglich zu sein: Nun habe sich die Einführung eines vorübergehenden Grundeinkommens für die ärmsten Menschen der Welt als eine Option herausgestellt, so UNDP-Chef Achim Steiner: “Beispiellose Zeiten erfordern beispiellose soziale und wirtschaftliche Maßnahmen.”

Die Maßnahmen wären der Entwicklungsagentur zufolge dringend notwendig und durchführbar. So könnte das Geld von der Schuldenrückzahlung der Entwicklungs- und Schwellenländer umgeleitet werden. “Ein vom UN-Generalsekretär geforderter umfassender Schuldenstillstand für alle Entwicklungsländer würde es den Ländern ermöglichen, diese Mittel vorübergehend in Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung der Auswirkungen der COVID-19-Krise umzuwandeln”, meint die UNDP.

Generalsektär regt neuen globalen Gesellschaftsvertrag an

Mitteilung des Netzwerks Grundeinkommen, Ronald Blaschke – 20.07.2020

Antonio Guterres
Antonio Guterres

In seiner Rede am 18 Juli. 2020 (Link zur Meldung in englischer Sprache) nahm der UN-Generalsekretär António Guterres den 102. Geburtstag von Nelson Mandela zum Anlass, um eine grundlegende Neuordnung der globalen Machtverhältnisse und der sozialen Verhältnisse zu fordern. Eine sich verändernde Welt mache zudem eine neue Generation von Sozialschutzmaßnahmen erforderlich, „einschließlich der allgemeinen Krankenversicherung und der Möglichkeit eines universellen Grundeinkommens.“

In seiner flammenden Rede prangerte er die bestehenden sozialen Ungleichheiten an, die sich während der Corona-Pandemie besonders deutlich zeigen: „COVID-19 wurde mit einer Röntgenaufnahme verglichen, die Brüche im fragilen Skelett der von uns gebauten Gesellschaft offenbarte.

Überall werden Irrtümer und Unwahrheiten aufgedeckt: Die Lüge, dass freie Märkte Gesundheitsversorgung für alle bieten können; Die Fiktion, dass unbezahlte Pflegearbeit keine Arbeit ist; die Täuschung, dass wir in einer postrassistischen Welt leben; der Mythos, dass wir alle im selben Boot sitzen.

Denn während wir alle auf demselben Meer schwimmen, ist es klar, dass sich einige in Superyachten befinden, während andere sich an treibenden Trümmern festhalten.“