Mailwechsel mit einem ernsthaften Skeptiker über die Coronapolitik / Vom Fukushima-Effekt und dem neuen Beleg für die Chaostheorie

Schaden leugnen hilft – wem?

Der politische und der persönliche Umgang mit der Viruskrise hat großen Einfluss auf unser Aller aktuelles Erleben – und schafft Bedingungen für künftige Entwicklungen. Selbstverständlich muss es Meinungsunterschiede geben – über die Grenzen für die Einschränkung von Bürgerrechten und über die Notwendigkeit von Maßnahmen, die  unsere sozialen Kontakte im öffentlichen und privaten Leben, die Arbeitsbedingungen in Bildungsstätten und Unternehmen beeinflussen.

Es ist allerdings schwierig, einen Meinungsstreit auszutragen, wenn nachweisbare Informationen in Zweifel gestellt oder gar geleugnet werden. Dann stimmen die Grundlagen nicht für das Ringen um den erforderlichen Weg. Im Bemühen darum, die gemeinsame Basis für den notwendigen Meinungsstreit herzustellen, habe ich für einen Mailaustausch mit einem ernsthaften Skeptiker, der den gesellschaftlichen Konsens über den Weg durch die Viruskrise in Frage stellt, öffentlich zugängliche Informationen gesammelt. Damit will ich widerlegen, was im Youtube-Beitrag von einem Studenten aus Ulm als “kritische Zusammenfassung der Corona-Thematik” dargestellt worden ist.

Mein Mailpartner hatte mir den Link geschickt, und ich hatte in meiner ersten Reaktion geantwortet, dass ich nach 90 Sekunden abgeschaltet habe, weil der Autor mit einem Vergleich zur alljährlichen Grippe schnell deutlich machte, dass er kaum vergleichbare Fakten – ich nenne das mal Interessenorientiert – vermischt und damit aus meiner Sicht die Dramatik der Pandemie nicht erkennen will.

Klar nehme ich die leicht belustigte Antwort meines Mailpartners an, der mich sozusagen gefangen in meiner eigenen Filterblase sieht. Ich bekenne mich dazu, meine Meinung als Ergebnis gefilterter Informationen zu bilden. Also habe ich das Video auf Youtube dann eben doch in voller Länge angesehen, um mindestens mir zu beweisen, dass meine Blasenschwäche nicht darin besteht, schon die Kenntnisnahme von Gegenmeinungen kategorisch auszuschließen.

An meinem Blick auf die “kritische Zusammenfassung” im Youtube-Beitrag hat sich damit insoweit etwas geändert, als ich die Fehler in der Datendarstellung nun detailliert aufdecken kann – mit Hilfe der Faktenchecker vom gemeinnützigen Projekt correktiv. Das ist der Stand unseres Mailaustausches, ich hoffe auf repektable Fortsetzung. Auch wenn meine zweite Mail provokativ endet mit der Frage: Schaden leugnen hilft – wem?


Meine Mailantwort auf den Linktipp: Aus persönlichem und politischem Blickwinkel (Zitat: Wenn dem Virus Raum zur Entfaltung erlaubt wird, kann es besser mutieren und schlimmere Folgen für seine Wirtsleute – uns Menschen – produzieren, als wenn es durch Kontaktarmut sozusagen ausgetrocknet wird. Das sind aber “nur” die biologischen Überlegungen. Genauso bedeutend finde ich die kulturelle Antwort auf die Frage, ob die Gemeinschaft mehrheitlich versteht und daran festhält, dass der Schutz ihrer schwächsten Glieder zugleich der Garant für das friedvolle Zusammenleben Aller ist. Daraus folgt, dass nicht kalkuliert wird, ob dies oder das mehr oder weniger kostet. Weil jedes Menschenleben in jedem Augenblick gleichwertig schutzbedürftig ist, zählt nur das, was Gefahren meidet und im Notfall rettet.)

Meine Mailantwort auf den Hinweis, ich würde eben in meiner eigenen Blase leben: Vom Fukushima-Effekt und dem neuen Beleg für die Chaostheorie (Zitat: Natürlich hast Du recht, ich lebe in meiner Blase. Ich denke aber, dass meine Blasenschwäche nicht darin besteht, dass das Gebilde voll ist und kein Platz mehr wäre für neuen Input. Wie alle anderen Blasenbewohner suche ich mir mehr oder weniger bewusst aus, was noch rein darf. Entweder ist die Hülle noch dehnbar oder etwas muss raus um Platz für Neues zu schaffen. Sebastian und seine Spießgesellen müssen draußen bleiben, jetzt erst recht.)


Zwei der folgenden Links verweisen auf Beiträge, die sich mit Desinformationen im Netz und mit erhellenden Corona-Erfahrungen beschäftigen. Der dritte führt zu dem erwähnten Youtube-Film.

https://covidinfodemiceurope.com/?lang=de

https://krautreporter.de/3368-welche-guten-dinge-euch-in-der-corona-krise-passiert-sind?shared=eaeb1589-23e1-4f13-a649-d235881e4975

Meine Alternative zum Video über die “kritische Zusammenfassung”: Der Wortakrobat Bodo Wartke besingt den coolen Virologen Christian Drosten;

und Wartke singt – ohne das Wort zu benutzen – das ultimative Loblied auf das Gundeinkommen: “Was, wenn doch?”


Zur Letalität und mehreren anderen im Internet kursierenden unbewiesenen oder gefälschten Darstellungen rund um Corona, fast alle gecheckt von correctiv.org, einem unabhängigen und nicht werbefinanzierten sowie als gemeinnützig anerkannten Online-Magazin:

https://correctiv.org/faktencheck/2020/05/06/viraler-facebook-beitrag-verbreitet-falsche-und-unbelegte-behauptungen-zu-corona-massnahmen

https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/12/keine-belege-dass-96-prozent-der-corona-todesfaelle-in-italien-auf-andere-krankheiten-zurueckzufuehren-sind

NEU: Wie viele Tote die Pandemie tatsächlich verursacht hat, wird viel diskutiert. Zwei Studien zeigen, dass die allermeisten Covid-19-Opfer in Italien nicht an Vorerkrankungen, sondern direkt am Virus starben. Süddeutsche Zeitung, 22.7.2020, von Christina Berndt

Zur Suizidrate:

https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/23/corona-massnahmen-irrefuehrende-berichte-ueber-angeblich-gestiegene-suizidzahlen-in-berlin

Zur Übersterblichkeit

https://correctiv.org/faktencheck/2020/06/12/covid-19-youtuber-legt-zahlen-des-statistischen-bundesamtes-zur-uebersterblichkeit-irrefuehrend-aus

Zum Rechtsmediziner Püschel :

https://correctiv.org/faktencheck/2020/04/17/rechtsmediziner-klaus-pueschel-hat-nicht-gesagt-dass-nie-ein-gesunder-mensch-am-coronavirus-gestorben-ist

Ein Dutzend allgemeine Zitate aus Wissenschaft und Kultur; dieser Link führt zu einem Interview mit Alexander Kluge:

https://blognetz.info/2020/07/01/momentan-haben-wir-einen-gigantisch-starken-staat/13/


Meine Informationsquellen – nicht nur seit Mitte Februar in der Viruskrise: Tagesschau, Süddeutsche Zeitung, heise-online, Zeit-online, netzpolitik.org, zdf-heute, Informationsdienst der Wissenschaft – idw, ndr-podcast, Krautreporter, correctiv.


Das Land, in dem ich leben will – besungen von Bodo Wartke – hat mehr als eine Million Aufrufe auf Youtube, seit September 2017:

Bodo Wartke: Je mehr die Menschen wissen desto weniger müssen sie glauben..