Bei mehr als 1,5 Grad Erderwärmung ist die Klimakrise nicht aufzuhalten / "All I Really Need to Know I Learnt in Kindergarten"

Jeder Ozean besteht aus einzelnen Tropfen!

Süddeutsche Zeitung, 19.4.2019, Interview von Meredith Haaf mit Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber

Mittendrin gibt es diese zwei wunderbaren Antworten auf die Frage:

Ob aber ich jetzt mein Auto weiterfahre, macht doch dann auch keinen Unterschied, oder?

Das Argument, dass ich allein nichts ausrichten kann, ist natürlich die allertörichteste aller Schutzbehauptungen.

Warum?

Na, stellen Sie sich vor, Sie sagten Ihren Kollegen, Sie kämen auf absehbare Zeit nicht mehr in die Arbeit, weil der Einzelne ohnehin keinen Unterschied machen würde! Jeder Ozean besteht aus einzelnen Tropfen, und so ist es auch mit der Gesellschaft.

Der ­Professor für Theoretische Physik Hans Joachim Schellnhuber ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für ­Globale Umweltveränderungen. Er formulierte die Zwei-Grad-Grenze, die im Pariser Klimaabkommen beschlossen wurde.

Glaubwürdige Schlussfolgerung dieser Reportage:

Die Menschheit erstickt am Müll,noch bevor die Klimakatastrophe die Lebensgrundlagen zerstört

Müll ist nicht nur hässlich und stinkt. Er bedroht auch das Leben auf der Erde. Die Wahrheit darüber, wie schwer es ist, ihn loszuwerden. Von ZEITmagazin Nr. 2/2020

Wir fürchten uns nicht genug vor der drohenden Unbewohnbarkeit der Erde

Krautreporter Rico Grimm, in der Redaktion des Online-Magazins zuständig für “Macht und neue politische Ideen”, hat im April 2019 das Buch von David Wallace-Wells „The Uninhabitable Earth“ gelesen und stellte danach fest: “Er tat, wozu so viele Klimawissenschaftler keine Kraft mehr hatten, die sich in jahrzehntelangen Kämpfen aufgerieben haben. Er hat alle Fakten, alle Szenarien und Modelle zusammengenommen und die eine Schlussfolgerung aufgeschrieben, die jeden verständigen Menschen um den Verstand bringen kann, weil ihre Tragweite gigantisch ist und gegen jede Erfahrung geht, die die Menschheit in all ihren Sagas, Legenden und Märchen weitergegeben hat: dass die Erde am Ende des Jahrhunderts unbewohnbar wird.” Textauszug:

In den nächsten Jahrzehnten werden die Gletscher die Hälfte ihrer Masse verlieren. Im schlimmsten Fall werden die Alpen aussehen wie das Atlas-Gebirge in Marokko: Die Alpen, in denen der Rhein und alle wichtigen Nebenarme der Donau entspringen, könnten 2100 ein Wüstengebirge sein. Das ist die Welt, die wir erschaffen, wenn wir einfach so weitermachen wie bisher.


Mikroplastik fliegt 100 Kilometer weit

Mikroplastik ist überall: Im Eis der Pole, im Kot von Meeresschildkröten und sogar auf dem Grund des Marianengrabens, der mit etwa 11 000 Metern tiefsten Stelle des Weltmeers. Wie gelangen die winzigen Kunststoffteilchen mit einem Durchmesser von weniger als fünf Millimeter an die entlegensten Orte der Welt? Dass sie weite Strecken über Flüsse zurücklegen, ist schon länger bekannt. Umweltforscher um Deonie Allen vom Ecolab im französischen Castanet-Tolosan haben jetzt herausgefunden, dass große Mengen dieser Teilchen auch über die Luft transportiert werden können (Nature Geoscience). 16.4.2019, Süddeutsche Zeitung, von Tina Baier

heise online hat dazu mit diesem dpa-Text am 16.4.2019 gemeldet: Mikroplastik kann über die Luft über weite Strecken transportiert werden, sagen Forscher von EcoLab. Offenbar hängt das vom Wetter und von der Jahreszeit ab.


Von Humboldt lernen

Süddeutsche Zeitung, 16.4.2019, von Silvia Liebrich

Die Klimakrise erfordert schnelles Handeln, doch noch nie war die deutsche Politik so zauderhaft und rückwärtsgewandt. Für den Wandel braucht es Mut – und ein starkes Umweltministerium. Die Erkenntnis: Wohlstand und Naturschutz bedingen einander. Die Aufgabe: Das Erreichen der Klimaziele ist Pflicht. Die Lösung: Die große Koalition muss sich auf ihre Werte besinnen.


CO2-Rechner verhilft zu persönlicher Bilanz

Das Umweltbundesamt erklärt: Klimaschutz ist wichtig. Und das Ziel lässt sich für Deutschland sehr genau benennen: Von 12 Tonnen CO2e auf unter 1 Tonne CO2e pro Person und Jahr. Das ist die Position des Umweltbundesamtes im Einklang mit der internationalen Staatengemeinschaft. Hierzu müssen wir noch viel tun. Insbesondere brauchen wir wirksame staatliche Rahmenbedingungen. Aber schon heute können wir als Einzelne vorausgehen. Wir können nicht nur kiloweise, sondern sogar tonnenweise CO2 vermeiden – bei uns und bei anderen. Der UBA-CO2-Rechner hilft Ihnen dabei, den Überblick zu behalten: Wo stehen Sie heute? Was sind Ihre zentralen Stellschrauben? Welchen Beitrag können Sie zukünftig für den Klimaschutz leisten? Der CO2-Rechner ist mit dem CO2-Profil eines durchschnittlichen Menschen in Deutschland vorbelegt. Passen Sie Ihr persönliches CO2-Profil an und Sie erhalten nach wenigen Schritten eine erste CO2-Bilanz.


 UN-Schätzung: Getreideernte deckt Verbrauch nicht

tagesschau – Stand: 07.04.2019 07:45 Uhr

Die Weltbevölkerung wächst – und damit auch der Hunger. Laut Experten kann die Getreideernte den globalen Bedarf aktuell nicht decken. Eine Ursache ist demnach die jüngste Dürre in Europa.


Klimawandel – Es passiert genau jetzt

sz.de, 6. April 2019, 15:53 Uhr, von Marlene Weiß

Das Great Barrier Reef vor Australien ist von den jüngsten Hitze-Bleichen so schwer geschädigt, dass es sich kaum noch ganz erholen kann. Auch anderswo häufen sich extreme Klimaereignisse: Rekord-Hitzewellen in Alaska und Australien sowie der Zyklon Idai zeigen, dass der Klimawandel anfängt, weh zu tun. Zuletzt war die CO2-Konzentration vor drei Millionen Jahren so hoch wie heute. Das Klima damals war viel wärmer.


UN-Bericht zum Klima: Der Meeresspiegel steigt und steigt

tagesschau -Stand: 28.03.2019 20:34 Uhr

Es sind erschreckende Zahlen, die die UN vorgelegt haben: 62 Millionen Menschen waren 2018 von Extremwetter betroffen, zwei Millionen mussten fliehen. Und der Meeresspiegel stieg noch stärker als in den Jahren zuvor.


In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Klimagerechtigkeit ist ein wunderbares Stichwort, um die Zukunftssorgen zu verbinden. Es geht immer zugleich um Natur und soziale Umwelt. “Wir sitzen nicht alle im selben Boot: die Klimakrise als Gerechtigkeitskrise” heißt es auf der Website von degrowth in Bewegung. Sie ist Teil der Plattform “In welcher Gesellschaft wollen wir leben?” Auszug von der Site degrowth:

Anfangen kann jede und jeder damit, den eigenen Konsum zu verändern, und dafür sind wir Ökos ja auch besonders bekannt: Wir futtern regionales Bio-Essen der Saison, mindestens vegetarisch und am Besten vegan. Die Wohnung ist nicht so groß und hoffentlich gut gedämmt, weil Heizen besonders viel Energie verbraucht. Klamotten und Technik werden möglichst lange genutzt und auch repariert, um nicht ständig neues Zeug kaufen zu müssen. Unterwegs sind wir mit Rad und Zug statt mit Auto und Flugzeug. Das mag alles wie anstrengender Verzicht wirken, aber in Wirklichkeit macht es oft Spaß, denn wir entdecken Neues, verbringen weniger Zeit in Shopping Malls und lernen Gleichgesinnte kennen. Spaß macht es insbesondere, wenn mensch es nicht zu ernst nimmt. Selbst wenn der Hintergrund ernst ist: Denn wenn alle so leben würden wie die Menschen im Durchschnitt in Deutschland, bräuchte es die Erde gleich drei Mal, um den Verbrauch aufrecht zu erhalten. Die gibt es aber nicht. Und deshalb geht dieser Verbrauch vor Allem auf Kosten derer, die am Wenigsten zur Umweltzerstörung beitragen: die ärmsten Menschen dieser Welt. Sie leiden schon jetzt am Meisten unter den Folgen des Klimawandels, während sie häufig die Produkte herstellen, welche hier konsumiert werden.


Mehr Mut bitte

Süddeutsche Zeitung, 7.10.2016, Samstagsessay im Ressort Wirtschaft, von Anselm Görres – Nicht der Mangel an Erkenntnis ist unser Problem: Wir wissen, woran unsere Umwelt leidet, wer sie zerstört und wie man das ändern kann. Warum also handeln wir jetzt nicht danach?

“All I Really Need to Know I Learnt in Kindergarten” – aus diesem Bestseller von Robert Fulghum (1989) ergibt sich die Ökosoziale Marktwirtschaft fast von selbst: Teile alles. Sei fair. Schlage niemanden. Tu die Dinge dahin zurück, wo du sie gefunden hast. Räume Deine Unordnung auf. Nimm nichts, was Dir nicht gehört. Sei der Wunder bewusst. All diese Regeln verletzt unser Umgang mit Ressourcen. Wenn das Vierjährige verstehen, warum dürfen Erwachsene dagegen verstoßen?