Historiker plädiert für Grundeinkommen und höhere Steuern

Wenn man es richtig macht, steigen Löhne für unverzichtbare Arbeit

Netzzitat 16.4.2019, Süddeutsche Zeitung, Interview von Susan Vahabzadeh mit dem Buchautor Rutger Bregmann

Der niederländische Historiker Rutger Bregman fordert ein bedingungsloses Grundeinkommen und höhere Steuern. Damit hat er in Davos die Reichen geschockt und Furore gemacht. Aber er kann es gut begründen. Zitat aus dem unbedingt lesenswerten Text:

Wenn es das Grundeinkommen gäbe – bestünde nicht die Gefahr, dass das System einfach jede Summe entwertet?

Das wäre schwierig, wenn man es richtig macht. Das Grundeinkommen, so wie ich es mir vorstelle, würde viele Freiheiten schaffen. Man könnte umziehen oder auch einen Job ablehnen, Arbeitnehmer könnten sich mehr Rechte erstreiten. Menschen müssten nicht mehr alle an die Orte ziehen, an denen es die Jobs gibt. Die Löhne für unverzichtbare Arbeit würden steigen, also die Gehälter von Lehrern, Krankenschwestern, Müllmännern. Aber ich kann mir auch schreckliche, verwässerte Versionen eines universellen Grundeinkommens vorstellen, wenn man es beispielsweise über die Mehrwertsteuer durch den Mittelstand finanzieren ließe. Oder man zerstört den Sozialstaat und gibt den Leuten nur eine kleine Bargeldauszahlung – fürchterliche Vorstellung.

Rutger Bregmans Buch “Utopien für Realisten” wurde in zwanzig Sprachen übersetzt.