„Schritt für Schritt ins Paradies“ führen die „Wege aus dem Neoliberalismus“

Weiter denken, wie die Menschen leben und arbeiten wollen.

Am Anfang steht die Frage des Moderators Marcus Munzlinger: Leben wir in einer solidarischen Gesellschaft? Ja, sagt die Politikwissenschaftlerin Silke Bothfeld aus Bremen. Überhaupt nicht, sagt der Befürworter des Bedingungslosen Grundeinkommens Ronald Blaschke:

“Wir leben auf Kosten des globalen Südens, innerhalb unserer Gesellschaft auf Kosten der jüngeren Generationen, deren Lebensraum wir verbrauchen und verschmutzen, die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums gelingt nicht, und die immer noch dominante männliche Hälfte der Gesellschaft ist nicht solidarisch mit ihrer weiblichen Hälfte.” Das versprach schon mal eine lebhafte Debatte, an der sich zur Überraschung der Veranstalter mehr als 120 Besucher beteiligen wollten.

„Schritt für Schritt ins Paradies“ soll die Reihe führen, die im Kulturzentrum Pavillon „Wege aus dem Neoliberalismus“ zeigen will. Über weite Strecken haben Bothfeld und Blaschke übereinstimmend Ziele beschrieben, die für eine soziale Gesellschaft erreicht werden sollen. Während aber die Wissenschaftlerin immer wieder das Normative in der unvollkommenen aber zu entwickelnden Gesellschaft betont, ist der Streiter für das Bedingungslose Grundeinkommen grundsätzlich bereit, das ökonomische System in Frage zu stellen.

Silke Bothfeld, Marcus Munzlinger und Ronald Blaschke (Aufnahme bk)

Wenn Beifall der Massstab ist, liegen die Sympathien im Publikum näher an der radikalen Position für das Grundeinkommen, das auch Blaschke nicht als die alleinige sondern immer als Teil der Lösung sozialer Probleme bezeichnet. Bothfeld bleibt unverdrossen bei der Meinung, dass „bezahlte Arbeit Quelle der Wertschöpfung“ ist und „Beschäftigungspolitik ein großer Teil der Umverteilung.“ Sie warnt davor, Strategien zu verfolgen, die auf den Transferbereich setzen, „es helfen nur kollektiv ausgehandelte Tarife.“ Übereinstimmung herrscht in der Einschätzung, dass die Gesellschaft mit der Reform der Sozialsysteme zu Beginn des Jahrhunderts „kälter geworden“ ist und der universelle Zugang zur sozialen Sicherung unverzichtbar, also auch bedingungslos sein muss, „Grundeinkommen im Alter brauchen wir ebenso wie in der Arbeitslosigkeit.“

Schwieriger war schon die Frage zu beantworten, was das Grundeinkommen „den Frauen helfen soll.“

Bothfeld sieht „strukturell die Gefahr, dass es wieder an Frauen hängen bleibt“, und löst partiell Empörung aus mit der missverständlichen Aussage, sie würden mit dem Bezug des Grundeinkommens eher in die Lage versetzt, „zuhause sitzen zu bleiben,“ während Blaschke entgehen hält: „Der klassische feministische Blick auf die Arbeit ist nicht die Erwerbsarbeit, wir diskutieren die Sorgearbeit.“

Am Ende hatte dann wieder Bothfeld das letzte Wort, und sie meinte alle und nicht nur sich und ihren Widerpart Blaschke: „Wir können die Einladung zum Denken mit nach Hause nehmen.“

Februar 2018


Baukje Dobberstein hat auf ihrem Blog vor der Veranstaltung im Pavillon eine Replik auf Silke Bothfeld veröffentlicht, die sich auf öffentlich zugängliche Kommentare der Politik-Professorin auf das Grundeinkommen bezieht.