Film mit verblüffender Anekdote: Beinahe hätten die USA das BGE eingeführt

“Wenn wir es wollen, können wir es auch”

Je mehr das Thema Grundeinkommen beleuchtet wird, umso zahlreicher und dem Anschein nach offener sind die Fragen, die dazu auftauchen. Das zeigt die Diskussion, die dem Film “Free Lunch Society” im voll besetzten Künstlerhaus Hannover am 1. Februar 2018 folgt. Ebenso wie im Film gibt es auch im Kino immer wieder eine grobe Antwort auf viele besorgte Einzelfragen: “Wenn wir es wollen, können wir es auch.”

Kinopremiere “Free Lunch Society” am 01.02.2018 im Kino im Künstlerhaus in Hannover. Anschließend Publikumsgespräch mit (von  links) Anna Sophie Brüning, Felix Kostrzewa, Baukje Dobberstein, Adrienne Goehler und der Initiatorin Luise Jungs. (Foto: Jo Titze)

Die Geschichte der Erfahrungen mit Grundeinkommen wird im Film mit einigen verblüffenden Momenten erzählt. Zum Beispiel verdankt die Welt dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan nicht nur die Politik, die dem Irrtum verfallen ist, dass der Markt klüger ist als der demokratisch verfasste Staat und die Klasse der Reichen sozusagen naturgemäß dafür sorgen wird, dass es den anderen Klassen gut geht. Der drittreichste Mensch auf der Welt, Warren Buffet, wird mit der Erkenntnis zitiert, dass es selbstverständlich Klassenkampf gibt und die Klasse der Reichen gewonnen hat.

Die Weichen für die Reichen hat Reagan gestellt, der auch verhindert hat, dass die USA das Bedingungslose Grundeinkommen für Alle einführt. Die Regierung des demokratischen Präsidenten Johnson plante das, der republikanische Präsident Nixon warb im Repräsentantenhaus erfolgreich für die Zustimmung, aber der amerikanische Senat stoppte das Projekt auf Betreiben des republikanischen Gouverneurs von Kalifornien und späteren Präsidenten Ronald Reagan. Es regt die Phantasie heftig an, sich vorzustellen, wie die Welt heute aussehen würde, wenn der Senat in den 1970er Jahren das Bedingungslose Grundeinkommen für die USA beschlossen hätte. Zugleich beweist diese Geschichte, die im Film ebenso zuverlässig recherchiert dargestellt wird wie viele Erfahrungsberichte, dass es absolut auf die politische Mehrheit ankommt, um das Grundeinkommen durchzusetzen, wirtschaftlich und finanziell erscheint es machbar.

Es mehren sich die Stimmen, die sagen, dass “wir”, also “die” Gesellschaft hierzulande und weltweit, die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens nicht nur wollen und können sondern sogar müssen wird, weil die ungerechte Verteilung von Vermögen und politischer Macht zerstörerisch für die soziale Gemeinschaft wirkt. Doch bei aller Sympathie für die Idee erwarten die Menschen nicht nur im Kino zu recht Antworten auf die wichtigsten Fragen, bevor sie ihre volle Zustimmung geben. Die Arbeit an den Antworten wird eine demokratische Mammutaufgabe, an der sich viele Menschen beteiligen sollten.

Februar 2018