Finnischer Forscher sieht Paralellen zu Kennedys Vision für die Reise zum Mond

Grundeinkommen ist ein universales Projekt

Auf den ersten Blick kurios ist der Vergleich der Aufgaben, die vor der Mondfahrt gelöst werden mussten, mit denen, die zum Grundeinkommen führen sollen. Der finnische Wissenschaftler Roopa Mokka kann aber gut erklären, warum er diese Metapher nutzt. Und der Krautreporter Rico Grimm ist von seinen Gedanken so fasziniert, dass er die Reihe seiner Beiträge über das Thema Bedingungsloses Grundeinkommen um das Interview mit dem Querdenker aus Finnland erweitert – sehr lesenswert. Mokka legt nämlich großen Wert darauf, das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)  als universales Projekt zu sehen, vergleichbar dem Aufbau des “Wohlfahrtsstaates als allgemeingültiges System im Industriezeitalter.” Deshalb plädiert er dafür, den Blick zu weiten und nicht nur zu fragen, wie mit dem Grundeinkommen soziale Sicherheit und Konsumfähigkeit garantiert werden.

Zitat: “Ich denke, wir sollten das aus Produktionssicht betrachten, nicht aus Konsumentensicht. Wir sollten nicht nur darauf schauen, dass den Menschen etwas Geld gezahlt wird, damit sie Essen, Kleidung und Unterkunft kaufen können. Das ist wichtig, aber es bleibt die Frage: Was sollen die Menschen denn arbeiten? Wie können sie produzieren? Sie könnten sich mit Kurzzeit-Jobs auf den verschiedenen Plattformen über Wasser halten und gegen die Künstliche Intelligenz auf dem Arbeitsmarkt kämpfen. Was wäre die Alternative stattdessen? Die Dinge zusammen zu erledigen.”

Der oben eingesetzte Link zum Text auf Krautreporter führt zugleich auf die bisher dort erschienenen Beiträge über das BGE, die vor allem die Grundidee sehr gut erklären.  Abonnenten des digitalen Magazins Krautreporter können den vollständigen Text abrufen. Neue Leser haben die Möglichkeit, entweder nach dem ersten Viertel abzubrechen oder für 30 Tage einen Gratiszugang zu erhalten. Wer abbricht, sollte wenigstens das Ende des Interviews hier noch lesen können:

In Ihrem Artikel vergleichen Sie das Grundeinkommen mit der Fahrt zum Mond. Warum? Das ist eine Metapher. Als die Kennedy-Regierung verkündete, dass sie Menschen zum Mond schicken wollte, hatte das absolut keinen Sinn. Es gab keinen triftigen Grund für Mondreisen. Kennedy wollte das, um die Forschung voranzutreiben, neue Industrien aufzubauen und Fertigkeiten zu erwerben, die die Wirtschaft und die Gesellschaft dieser Zeit verändert haben. Das gelang ihm nur durch die Vision einer Mondfahrt. Das gilt auch für das bedingungslose Grundeinkommen. Wir müssen auf dem Weg dorthin viele soziale Innovationen schaffen, viele neue politische Ideen entwickeln. Wir brauchen ein neues Verhältnis zu Arbeit, müssen anders besteuern und unsere politischen Prozesse verbessern. Wir müssen erfinden – so wie es früher die Mondfahrer tun mussten. Ein Grundeinkommen ist also eine Vision für eine neue Ebene gesellschaftlicher Entwicklung. Das Wichtigste dabei ist, dass es sich um eine universelle Sache handelt. Wir könnten als Gesellschaften wieder so zusammenkommen, wie wir es nach dem Zweiten Weltkrieg getan haben, als wir die Wohlfahrtsstaaten geschaffen haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns in einer ähnlichen Wandlung befinden. Daher kommt die Metapher mit dem Mond. Denn wenn du nur sagst: „Lass uns ins postindustrielle Zeitalter gehen!” – dann kriegen Sie damit vielleicht einige Akademiker dazu, darüber zu debattieren. Aber um alle zu erreichen brauchen sie auch Visionen, die alle ansprechen und nicht nur ein paar Interessengruppen.

Der 42-jährige Roope Mokka hat 2005 den Think Tank „Demos Helsinki” gegründet und der Regierung dabei geholfen, das nationale Grundeinkommens-Experiment zu entwickeln.