Heribert Prantl erklärt die Pressefreiheit zum

Täglich Brot der Demokratie

In seiner Antrittsvorlesung an der Uni Bielefeld hat der Journalist Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) ausführlich die Geschichte der Pressefreiheit in diesem Land dargelegt. Die Vorlesung wird auf der Internetseite Blätter für deutsche und internationale Politik dokumentiert (mit Suchbegriff Prantl ist der Text aus dem Jahr 2010 kostenpflichtig verfügbar.) Das folgende Zitat empfehle ich besonders für Debatten über Journalismus in Zeiten des Internets:

“Das Internet ist keine Gefahr, sondern eine Chance für den Journalismus. Es bietet viel kostengünstigere Distributionsmöglichkeiten für den Journalismus als bisher, der logistische Aufwand, Presse an den Mann und die Frau zu bringen, fällt weg. Natürlich wird es den klassischen Print-Journalismus weiter geben. Aber dieser gute klassische Journalismus ist kein anderer Journalismus als der gute digitale Journalismus. Es gibt guten und schlechten Journalismus, in allen Medien – so einfach ist das. Guter Journalismus hat große Zeiten vor sich: Noch nie hatten Journalisten ein größeres Publikum als nach der digitalen Revolution. Noch nie war Journalismus weltweit zugänglich. Es gibt daher ein besonderes Bedürfnis nach einem orientierenden, aufklärenden, einordnenden und verlässlichen Journalismus. Die Ausweitung des wissbaren Wissens, seine horizontale Erweiterung, wird auf Kosten ihrer Vertikalisierung, ihrer Vertiefung, erwirtschaftet. Die Datenmenge nimmt zu, aber die Datenverarbeitung bleibt bisher aus. Gegen Datentrash helfen nur Reflexion und Hintergrundbildung. Das ist die gemeinsame Aufgabe von Publizistik und Wissenschaft…

Es gilt, eine gute, eine dauernde Verbindung zu schaffen zwischen Publizistik und Gelehrsamkeit. Der Geist setzt sich durch – das heißt guter, kluger, aufklärerischer Journalismus setzt sich durch. Ein kluger Journalismus ist der, der die Ressourcen der Wissenschaft nutzt. Und eine gute Wissenschaft ist die, die mit ihren Erkenntnissen in die breite Öffentlichkeit will und sich dort der Diskussion stellt. Eine solche Zusammenarbeit von Journalismus und Wissenschaft hilft dabei, die Zukunft zu gestalten. Das ist die demokratische Aufgabe der Presse. Zu diesem Zweck gibt es die Pressefreiheit.”

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